Langsam reisen fühlt sich für mich wie Atemholen an: weniger Stress, mehr Zeit für Orte, Menschen und kleine Entdeckungen. Doch gerade weil ich oft länger an einem Ort bleibe, unterwegs arbeite oder flexibel weiterziehe, ändern sich auch meine Versicherungsbedürfnisse. In diesem Text teile ich meine Erfahrungen und Überlegungen dazu, welche Reiseversicherung zu langsamem Reisen passt und wie du die richtige Police findest.
Was bedeutet "slow travel" für die Versicherung?
Slow travel heißt bei mir nicht nur längere Aufenthalte, sondern auch häufige Ortswechsel innerhalb eines Landes, ein One-Way-Ticket statt Hin- und Rückflug, temporäres Wohnen in Apartments oder Hostels, manchmal Arbeit als Freelancer oder digitales Arbeiten im Café. Diese Aspekte beeinflussen, welche Leistungen wichtig sind: Langzeitdeckung, flexible Rückkehrmöglichkeiten, Schutz bei medizinischen Notfällen, aber auch Absicherung gegen Gepäckverlust bei mehreren Zwischenstopps oder Haftpflichtschutz für längere Aufenthalte.
Die wichtigsten Versicherungsarten, die ich prüfe
- Krankenversicherung / Auslandskrankenversicherung: Für mich das Nonplusultra. Sie deckt Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und oft auch medizinische Rücktransporte.
- Langzeit- / Jahresreiseversicherung: Ideal, wenn ich mehrere Monate am Stück unterwegs bin oder öfter pro Jahr reise.
- Digitale Nomaden-Versicherung: Speziell für Remote-Arbeitende mit längeren Auslandsaufenthalten; manche Tarife schließen berufliche Tätigkeiten aus, andere decken Homeoffice mit ab.
- Reiserücktritts- und Abbruchversicherung: Wichtig, wenn teure Buchungen vorab bezahlt sind (Langzeitunterkünfte, Flüge, Kurse).
- Gepäck- und Elektronikversicherung: Für mich relevant, weil mein Laptop und meine Kamera ständige Begleiter sind.
- Haftpflichtversicherung im Ausland: Oft unterschätzt, aber praktisch, wenn etwas passiert (Fahrradunfall, Schäden im gemieteten Apartment).
Worauf ich besonders achte
Bei der Auswahl lese ich nicht nur die Broschüre, sondern schaue auf Details:
- Versicherungsdauer und Verlängerung: Kann ich die Police monatlich verlängern? Gibt es eine maximale Aufenthaltsdauer pro Reise (z. B. 90 oder 180 Tage)?
- Gebietsdeckung: Weltweit, Weltweit ohne USA/Kanada oder nur bestimmte Regionen? Für Nomaden mit Plänen in Nordamerika ist das essenziell.
- Rücktransport und Evakuierung: Werden Bergrettung, Rücktransport oder medizinische Evakuierung abgedeckt und bis zu welcher Summe?
- Vorerkrankungen: Sind chronische Krankheiten eingeschlossen oder ausgeschlossen?
- Selbstbeteiligung & Deckungshöhen: Niedrige Selbstbeteiligung lohnt sich bei teuren Behandlungen, aber treibt den Preis nach oben.
- Berufliche Tätigkeit: Deckt die Police Arbeit im Ausland (remote Freelance-Arbeit) oder ist sie nur für reine Freizeitreisen gedacht?
- Digitale Abwicklung: Online-Schadenmeldung, Telemedizin, 24/7 Notruf — für mich sehr praktisch, gerade unterwegs.
Welche Versicherer und Produkte habe ich ausprobiert?
Ich nenne hier ein paar Anbieter, die mir bei verschiedenen Reisen begegnet sind — keine Werbung, sondern Erfahrungsaustausch:
| Anbieter | Typische Stärken | Typische Schwächen |
|---|---|---|
| SafetyWing | Günstig, flexibel für digitale Nomaden, monatliche Abrechnung, weltweite Deckung (außer USA als Zusatz) | Begrenzte Leistungen bei chronischen Erkrankungen, Selbstbeteiligung bei manchen Fällen |
| WorldNomads | Gut für Abenteuerreisen (Trekking, Surfen), flexibel verlängerbar, online-freundlich | Preislich nicht immer günstig, USA oft teurer |
| Allianz Travel | Hohe Deckung für Krankenhaus und Rücktransport, etablierter Anbieter | Weniger flexibel bei Verlängerungen; oft für kürzere Reisen konzipiert |
| HanseMerkur | Langzeit- und Jahresreisepakete, spezielle Tarife für Langzeitaufenthalte | Tarifdetails komplex, Vorerkrankungen oft eingeschränkt |
Praktische Tipps aus meinen Reisen
- Vergleiche nicht nur den Preis: Eine günstige Monatsprämie kann teuer werden, wenn der Rücktransport nicht abgedeckt ist oder es hohe Obergrenzen gibt.
- Belege sammeln: Ich fotografiere Rechnungen, Arztberichte und Belege sofort und lade sie in die Cloud — das erleichtert die Schadensmeldung enorm.
- Flexibilität einplanen: Wenn ich eine Unterkunft für mehrere Monate buche, achte ich auf Reiserücktrittsschutz oder Möglichkeiten zur kostenlosen Umbuchung.
- Lokale Krankenversicherung prüfen: In manchen Ländern lohnt sich eine lokale Krankenversicherung, vor allem bei längeren Aufenthalten.
- EVaccination / COVID-Updates: Vorgaben ändern sich; prüfe regelmäßig Einreise- und Versicherungsvoraussetzungen.
- Arbeitsstatus angeben: Sei ehrlich zur Versicherung, ob du remote arbeitest — sonst riskierst du Ablehnungen bei Schäden.
Wie ich meine Entscheidung treffe — meine Checkliste
Wenn ich eine Police auswähle, arbeite ich die folgende Liste durch:
- Wie lange bleibe ich mindestens und maximal am Stück?
- Welche Länder und Regionen werden bereist (USA, Kanada besondere Erwähnung)?
- Arbeite ich unterwegs? Wenn ja: ist das als touristische oder berufliche Tätigkeit eingestuft?
- Wie wichtig ist mir Rücktransport/MedEvac?
- Wie hoch ist mein Budget für Prämien vs. mein Wunsch nach umfassender Deckung?
- Welche Dinge trage ich (Laptop, Kamera) und brauche ich Extra-Schutz?
- Gibt es Vorerkrankungen oder Medikamente, die gedeckt werden müssen?
Ein paar Szenarien und welche Police passen könnte
Ich mag konkrete Beispiele, weil sie Entscheidungen greifbar machen:
- Ein paar Monate in Südostasien, flexibel vor Ort verlängern: SafetyWing oder WorldNomads sind oft gute Optionen; sie lassen sich online verlängern und sind für Reisende mit variablem Aufenthalt gedacht.
- Langzeitaufenthalt in Europa mit Rückkehroption nach Deutschland: Eine Jahresreiseversicherung oder Zusatz zur deutschen Krankenversicherung prüfen; bei EU-Ländern kann die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ergänzen, aber sie ersetzt oft keine Rücktransporte.
- Vanlife/Work on the Road in Nordamerika: Hier ist ein weltweiter Tarif mit USA-Deckung wichtig; oft sind große Anbieter wie Allianz oder spezialisierte Nomadenversicherer notwendig.
- Aktivurlaub mit Trekking oder Klettertouren: Achte auf eingeschlossene Aktivitäten; WorldNomads ist bei Abenteuersportarten oft großzügiger.
Was du jetzt tun kannst
Mach eine Liste deiner konkreten Pläne (Dauer, Länder, Arbeit) und vergleiche mindestens drei Angebote anhand meiner Checkliste. Lies die Ausschlüsse genau — besonders bei Vorerkrankungen und beruflichen Tätigkeiten. Viele Anbieter bieten auch telefonische Beratung an; ich habe oft kurz nachgefragt, ob bestimmte Fälle abgedeckt sind, bevor ich abgeschlossen habe.
Wenn du magst, schreib mir kurz, wohin und wie lange du reisen willst — ich teile gern meine Einschätzung, welche Policen passen könnten und welche Fragen ich noch an den Versicherer stellen würde.